Outdoor-Gadgets: Trainer, Scout und Lebensretter
Derzeit ist Wintersport angesagt, doch die Läufer und Biker stehen bereits in den Startlöchern. Auf der Ispo – der weltgrößten Sportmesse, die vergangene Woche in München stattfand – konnten Bewegungshungrige sich über Trends bei der Ausrüstung informieren, technische Gadgets inklusive.
Diese spielen nicht nur als Wegweiser und virtuelle Coaches eine immer größere Rolle, sie können sogar Leben retten. Lawinen-Verschütteten-Suchgeräte (LVS) sollten bei Touren abseits der präparierten Pisten selbstverständlich sein. Diese „Lawinenpiepserln“ ermöglichen den nicht verschütteten Gruppenmitgliedern das rasche Aufspüren von Lawinenopfern. Das rund 300 Euro teure Orthovox 3+ etwa wählt mittels Lagesensor jene der drei integrierten Antennen aus, die für die Ortung am günstigsten ausgerichtet ist. Geräte wie das Pieps Vector (500 Euro) verfügen zusätzlich über GPS-Modul. Damit kann nicht nur der Standort an weitere Helfer weitergegeben werden, sie zeichnen auch auf, welche Gebiete bereits abgesucht und wo eventuell Verschüttete gefunden wurden. Sozusagen als „ziviler“ Nebennutzen können die Touren aufgezeichnet und daheim auf dem PC nachvollzogen werden. Aktuelle Geräte bieten die Möglichkeit, nach mehreren Verschütteten zu suchen, indem sie Signale von bereits Georteten auf Wunsch ignorieren.
Wie ein aktueller Test des Schweizer Fernsehens zeigt, gibt es hier große Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen (www.videoportal.sf.tv). LVS sind nur im Set mit Schaufel und Lawinensonde sinnvoll – und nur dann, wenn der Nutzer auch damit umgehen kann. Zudem kann das beste LVS Besonnenheit sowie Sachverstand bei Tourenplanung und Beurteilung von Hängen nicht ersetzen.
Nicht ganz so dramatischen Zwecken dienen GPS-Geräte, die Outdoor-Vertreter dieser Gattung sind aber (nicht nur) am Berg ebenfalls hilfreich. So speichert das knapp hundert Euro teure Brunton Get-Back GPS bis zu drei Wegpunkte und lotst bei Bedarf dorthin zurück. Wobei – besonders im alpinen Bereich – gilt, dass man sich nicht allein auf technische Wegweiser verlassen sollte.
Magellan präsentierte auf der Ispo mit dem 150 Gramm leichten Explorist110 ein Einsteigergerät für 130 Euro, das Outdoor-Navigation inklusive Geocaching beherrscht. Die Explorist-Modelle 510, 610 und 710 können zudem mit Seekarten von Navionics gefüttert werden. Mio zeigt mit Cyclo 300/305 wetterfeste Navis für Radfahrer, die neben Turn-by-turn-Navigation auch fahrradspezifische „Points of interest“ sowie Kalorienzähler etc. bieten. Eine Surprise-Funktion schlägt anhand vorgegebener Fahrzeit und Streckenlänge Ausflugsrouten vor.
Ein Multitalent ist das mit dem Ispo-Brandnew-Award ausgezeichnete Outdoor-Smartphone Takwak tw700. Das wasserdichte und stoßfeste Android-Handy verfügt nicht nur über integrierte Navigation, es kann – etwa in Gebieten ohne Mobilfunkempfang – auch als Walkie-Talkie nach PMR-446-Standard dienen.
Der Touchscreen ist resistiv, reagiert also nur auf stärkeren Druck, statt auf leichte Berührung der Fingerkuppen. Nicht ganz so bequem, dafür ist er mit Handschuhen oder im Regen zu bedienen. Das Takwak-Handy soll im Frühjahr um 550 Euro auf den Markt kommen.
Ebenfalls eine Vielzahl an Funktionen hat der Sportinstrumentespezialist Suunto in eine elegante Uhr gepackt. Die wasserdichte Suunto Ambit vereint am Handgelenk GPS-Outdoor-Navi, 3-D-Kompass, Höhenmesser sowie Barometer und Thermometer und ist in Verbindung mit dem optionalen Brustgurt auch eine Pulsuhr. Damit unterstützt sie Bergathlethen während und nach der Tour mit Informationen zu Route, Wetterentwicklung und Trainingsleistung. Der integrierte Akku soll im GPS-Modus 50 Stunden halten. Die Ambit soll ab März erhältlich sein. Ohne GPS, aber mit erweiterten Schwimmfunktionen besonders für Triathleten geeignet ist die rund 400 Euro teure Pulsuhr Garmin Forerunner 910XT.
Neben der Hardware spielen auch Apps eine immer größere Rolle. Smartphones mit GPS werden zu virtuellen Trainern, zeichnen die zurückgelegten Strecken auf und teilen die Leistungen auf Wunsch sofort über soziale Netzwerke. Mit der Runtastic-App sind hier auch Österreicher ganz vorne dabei. Das in Linz ansässige Unternehmen hat Ende des Vorjahres Runtastic-Apps für Rennrad und Mountainbike veröffentlicht, Anfang Jänner folgte eine überarbeitete Version der Android-App.
Wer seine Outdoor-Abenteuer in Bild und Ton verewigen will, braucht bald keine eigene Kamera mehr. Die Skibrille iON von Zeal Optics schießt 170-Grad-Weitwinkelfotos mit acht Megapixeln oder dreht Videos in 1080p. Das 400 Euro teure Gadget wird aber erst nächsten Winter verfügbar sein.
(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 03.02.2012)
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